Artikel agrarheute vom 13.07.2011

Saisonstart für deutsche Bio-Kartoffel im Norden

Groß Breese – Seit Anfang Juli liegt schon erste Bio-Ware aus der Pfalz und Süddeutschland in den Gemüseregalen der Lebensmittelmärkte. Nun kommt auch das Angebot aus dem Norden Deutschlands dazu.

Bio-Kartoffel Erzeuger: Gegen Unkraut werden die Dämme gehäufelt und gestriegelt, bis das Kraut groß ist. Notfalls wird das Unkraut mit der Hand beseitigt.

© landpixel.de”Die Kartoffel prahlt in diesem Jahr. Das Kraut sieht überall prächtig aus, aber die Bestände geben nicht unbedingt her, was sie versprechen”, sagt die 58-jährige Landwirtin Monika Tietke aus dem niedersächsischen Wendland. “Die Knollen sind im April unter optimalen Bedingungen gepflanzt worden, hatten dann aber vielerorts mit Trockenheit und Spätfrösten zu kämpfen”, berichtet die Bio-Landwirtin. Doch die Sonne der letzten Wochen habe sich sehr positiv auf den Geschmack ausgewirkt.

Die Erdfrüchte der Sorten “Prinzess”, “Annabelle” und “Finessa”, die Monika Tietke bisher nur in kleinen Mengen per Hand mit der Grabgabel hervorholte, sind jetzt reif. Das Kraut beginnt zu welken und die Schale ist fest genug, so dass beim maschinellen Roden keine braunen Stellen mehr entstehen. Bei ersten Stichproben hat die Bäuerin entdeckt, dass es mehr Schorfstellen an den Früchten gibt. “Das liegt an der langen Trockenperiode in diesem Frühjahr. Schorf ist aber nur äußerlich”, sagt sie. Ebenso wie die häufigen Verformungen in diesem Jahr, die durch unterschiedlich starke Wachstumsschübe zustande kommen. Die bei Kindern beliebten Kartoffeln in Herz- oder Entenform werden vom Handel meist als deformierte Ware angesehen und aussortiert.

Unkraut notfalls per Hand beseitigen
Seit 30 Jahren bauen Tietkes im Wendland Bio-Kartoffeln an. “Das ist viel mehr Aufwand als im konventionellen Anbau”, erzählt die Bäuerin. Der aber lohne sich: “Nicht nur der Geschmack ist hervorragend, Biokartoffeln sind auch gesund. Was viele nicht wissen: Frische Kartoffeln haben einen sehr hohen Vitamin C-Gehalt. “Vier mittelgroße gekochte Knollen decken den durchschnittlichen Tagesbedarf”, freut sich Monika Tietke. Die Biolandwirtin betont nicht ohne Stolz: “Und wir halten mit unserer Arbeitsweise schließlich das Grundwasser sauber. Statt das Unkraut mit Chemie zu bekämpfen, häufeln und striegeln wir die Dämme bis das Kraut groß ist. Notfalls wird das Unkraut sogar mit der Hand beseitigt.”

Verein der Bio-Kartoffel Erzeuger gegründet
Bis vor wenigen Jahren gab es Biokartoffeln nur vom Hof oder in Naturkostläden. Inzwischen haben sie längst den Weg aus dem Biohandel in die großen Lebensmittelmärkte geschafft. Um die Handelsstrukturen auf der oberen Ebene dem einzelnen Erzeuger transparent zu machen, haben Bio-Landwirte im vergangenen Jahr den Verein der Bio-Kartoffel Erzeuger gegründet. Monika Tietke ist Geschäftsführerin des Vereins. Mittlerweile sind darüber 57 Höfe aus der gesamten Bundesrepublik vernetzt, die fast 20 Prozent der deutschen Bio-Kartoffeln anbauen.

Über den Austausch könnten zum Beispiel Erntetermine der einzelnen Regionen abgesprochen werden, um eine flächendeckende Belieferung zu gewährleisten, erläutert die Landwirtin. Während die Bäuerin Prognosen zur Ernte noch für verfrüht hält, hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bereits einen ersten Überblick: “Die Erträge der Bio-Frühkartoffeln sind recht gut, weil die Krautfäule nur sehr verhalten aufgetreten ist”, sagt Hans-Joachim Siebert, Berater bei der Kammer. Auch bei der konventionell angebauten Kartoffel sei eine gute normale Ernte zu erwarten. Für beide werden die Preise gegenüber dem vergangenen Jahr stark sinken, ist sich der Fachmann sicher.

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