Bio-Kartoffeln bald nur noch aus Ägypten!?

Biokartoffeln bald nur noch aus Ägypten?

Im Auslandsjounal am 17.Oktober letzten Jahres wurde im ZDF ein Beitrag zur Landwirtschaft in Ägypten gezeigt. Auch Bio Kartoffeln werden dort erzeugt. Für uns als Bio Kartoffel Erzeuger gibt es zwei Konfliktfelder,  durch die Importe im Frühjahr werden häufig unsere Kartoffeln aus den Regalen verdrängt und der imense Wasserbedarf, der bei landwirtschaftlicher Produktion in Nordafrika nötig ist.     

Quelle: http://cdn.greenprophet.com/wp-content/uploads/2010/06/

Ahmed Shish, Kartoffelhändler in Ägypten:
“Ägyptische Kartoffeln haben bessere Qualität. Das kann man anhand von objektiven Kriterien nachweisen, es gibt ja Qualitätskontrollen. Und letztendlich entscheiden die Verbraucher, welche Kartoffeln besser ist, deutsche oder ägyptische. Danach sind die ägyptischen die besten.”
Diese und ähnliche Äußerungen konnten die Zuschauer am Mittwoch den 17. Oktober im Auslandsjournal im ZDF hören.
Gleichzeitig wurde aber auch von Christoph Schäfer, Biolandwirt, Kartoffelbauer und Vorsitzender vom Bio Kartoffel Erzeuger e.V. berichtet und der sieht das ganz anders:
“Ich billige einem ägyptischen Betrieb zu, dass er seine Waren im freien Wettbewerb unterbringen möchte, daß wir hier im Frühjahr Kartoffeln haben, die zur Vermarktung anstehen, aber nicht auf unsere Kosten.”
Und er wünscht sich, dass es nicht nur um Bio geht, sondern um die gesamten ökologischen Zusammenhänge.
Ein Land wie Ägypten, dass zu über 90% aus Wüste besteht, muss für die landwirtschaftliche Produktion sehr viel Wasser aufwenden.
Frau Hend Kassab, von der Firma Daltex, einem der größten Kartoffelexporteure, erklärt dazu:
Der Boden muß feucht sein. Das machen wir hier gerade, wir wässern den Boden,  und dann fangen wir an.“-  “Wann werden wir pflanzen?”-  „Wir beginnen in zehn Tagen (mit dem Pflanzen)“.

Quelle Land + Markt: Eigene Darstellung nach Berechnung der AGRA-TEG Universität Göttingen
Dr. Heike Kuhnert, Dr. Syliva Mahnke-Plesker, Franz Westhues

10 Tage beregnen, bevor die Kartoffeln in den Boden kommen, fast 430l Wasser werden insgesamt benötigt, um 1Kg Kartoffeln bei 40°C im Schatten zu erzeugen.
Können wir uns das leisten?
In der Regel werden die Kartoffeln für den Export im Spätsommer gepflanzt, damit sie zum Jahreswechsel im Kühlcontainer per Schiff nach Europa gebracht werden können. Mit moderner Kühltechnik können aber hiesige Landwirte Kartoffeln auch bis Mitte des Jahres in guter Qualität und mit vertretbarer Ökobilanz lagern. Trotzdem verdrängen  immer wieder importierte “Frühkartoffeln” unsere Ware aus den Regalen.

Frühkartoffel Sorte Annabelle, Foto Monika Tietke

Doch woran liegt das?
Eine Kartoffel, die im Wüstenboden gewachsen ist, hat oft eine glattere Schale, kann also mit der Optik punkten.  Beim Geschmack sieht das schon ganz anders aus, bei Testessen schneidet in der Regel die deutsche Kartoffel besser ab.  Und was heißt es, wenn ein ägyptischer Kartoffelhändler von seinen frischen Kartoffeln spricht? Oft sind es die gleichen Lagersorten, die bei uns angebaut werden.  Ditta und Nicola sind  keine frühen Sorten, aber die die Kundschaft kennt sie. Frische deutsche Frühkartoffeln, z.B. der Sorte Annabelle, sehen ganz anders aus. Eine dünne Schale, die sich  leicht lösen lässt und  ab Mitte Juni bei uns direkt vom Acker in die Geschäfte kommt . Danach werden die mittelfrühen Sorten, wie Princess geerntet und dann die Lagerware. Einige dieser Sorten müssen  im Lager durchreifen  und entwickeln erst  nach Weihnachten ihren vollen Geschmack.
War es in der Vergangenheit ein Problem, hiesige Kartoffeln bis in den Sommer zu lagern, ist das mit moderner Technik sehr gut möglich. Aus diesem Grund baut Christoph Schäfer eine neue Halle mit  Kühlunglagerung.
Er glaubt nicht, dass in Zukunft Bio-Kartoffeln nur noch aus Ägypten kommen und er glaubt auch nicht , dass ägyptische Kartoffeln besser sind. In einem aber hat Ahmed Shish recht, der Verbraucher und die Verbraucherin entscheidet, was auf den Tisch kommt.
Als positives Signal werten wir auch den wesentlich längeren Vermarktungszeitraum in diesem Frühjahr, im Vergleich zum Vorjahr und hoffen, dass sich das auch in dieser Saison vorsetzten wird.

Der Bericht, Biokartoffeln in der Wüste, startet nach 7:35 Minuten.
Den ganzen Bericht finden Sie auch hier:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1755278/auslandsjournal-vom-17.-Oktober-2012

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