Biokartoffeln bald nur noch aus Ägypten?

Im Auslandsjounal am 17.Oktober diesen Jahres wurde im ZDF ein Beitrag zur Landwirtschaft in Ägypten gezeigt. Auch Bio Kartoffeln werden dort erzeugt. Für uns als Bio Kartoffel Erzeuger gibt es zwei Konfliktfelder, durch die Importe im Frühjahr werden häufig unsere Kartoffeln aus den Regalen verdrängt und der imense Wasserbedarf, der bei landwirtschaftlicher Produktion in Nordafrika nötig ist.

Ahmed Shish, Kartoffelhändler in Ägypten:
“Ägyptische Kartoffeln haben bessere Qualität. Das kann man anhand von objektiven Kriterien nachweisen, es gibt ja Qualitätskontrollen. Und letztendlich entscheiden die Verbraucher, welche Kartoffeln besser ist, deutsche oder ägyptische. Danach sind die ägyptischen die besten.”
Diese und ähnliche Äußerungen konnten die Zuschauer am Mittwoch den 17. Oktober im Auslandsjournal im ZDF hören.
Gleichzeitig wurde aber auch von Christoph Schäfer, Biolandwirt, Kartoffelbauer und Vorsitzender vom Bio Kartoffel Erzeuger e.V. berichtet und der sieht das ganz anders:
“Ich billige einem ägyptischen Betrieb zu, dass er seine Waren im freien Wettbewerb unterbringen möchte, daß wir hier im Frühjahr Kartoffeln haben, die zur Vermarktung anstehen, aber nicht auf unsere Kosten.”
Und er wünscht sich, dass es nicht nur um Bio geht, sondern um die gesamten ökologischen Zusammenhänge.
Ein Land wie Ägypten, dass zu über 90% aus Wüste besteht, muss für die landwirtschaftliche Produktion sehr viel Wasser aufwenden.
Frau Hend Kassab, von der Firma Daltex, einem der größten Kartoffelexporteure, erklärt dazu:
Der Boden muß feucht sein. Das machen wir hier gerade, wir wässern den Boden, und dann fangen wir an.“- “Wann werden wir pflanzen?”- „Wir beginnen in zehn Tagen (mit dem Pflanzen)“.

10 Tage beregnen, bevor die Kartoffeln in den Boden kommen, fast 430l Wasser werden insgesamt benötigt, um 1Kg Kartoffeln bei 40°C im Schatten zu erzeugen.
Können wir uns das leisten?
In der Regel werden die Kartoffeln für den Export im Spätsommer gepflanzt, damit sie zum Jahreswechsel im Kühlcontainer per Schiff nach Europa gebracht werden können. Mit moderner Kühltechnik können aber hiesige Landwirte Kartoffeln auch bis Mitte des Jahres in guter Qualität und mit vertretbarer Ökobilanz lagern. Trotzdem verdrängen immer wieder importierte “Frühkartoffeln” unsere Ware aus den Regalen.

Doch woran liegt das?
Eine Kartoffel, die im Wüstenboden gewachsen ist, hat oft eine glattere Schale, kann also mit der Optik punkten. Beim Geschmack sieht das schon ganz anders aus, bei Testessen schneidet in der Regel die deutsche Kartoffel besser ab. Und was heißt es, wenn ein ägyptischer Kartoffelhändler von seinen frischen Kartoffeln spricht? Oft sind es die gleichen Lagersorten, die bei uns angebaut werden. Ditta und Nicola sind keine frühen Sorten, aber die die Kundschaft kennt sie. Frische deutsche Frühkartoffeln, z.B. der Sorte Annabelle, sehen ganz anders aus. Eine dünne Schale, die sich leicht lösen lässt und ab Mitte Juni bei uns direkt vom Acker in die Geschäfte kommt . Danach werden die mittelfrühen Sorten, wie Princess geerntet und dann die Lagerware. Einige dieser Sorten müssen im Lager durchreifen und entwickeln erst nach Weihnachten ihren vollen Geschmack.
War es in der Vergangenheit ein Problem, hiesige Kartoffeln bis in den Sommer zu lagern, ist das mit moderner Technik sehr gut möglich. Aus diesem Grund baut Christoph Schäfer eine neue Halle mit Kühlunglagerung.
Er glaubt nicht, dass in Zukunft Bio-Kartoffeln nur noch aus Ägypten kommen und er glaubt auch nicht , dass ägyptische Kartoffeln besser sind. In einem aber hat Ahmed Shish recht, der Verbraucher und die Verbraucherin entscheidet, was auf den Tisch kommt.
Als positives Signal werten wir auch den wesentlich längeren Vermarktungszeitraum in diesem Frühjahr, im Vergleich zum Vorjahr und hoffen, dass sich das auch in dieser Saison vorsetzten wird.

 

One Comment

  1. Wenn bei REWE Annabelle aus Ägypten verkauft wird und vor der Tür
    zwei junge Damen von NABU mir sagen ,
    REWE wäre ihr Kooperationspartner ,
    dann wirds leider, leider sehr schwer füf Euch.
    In einem anderen Kaufhaus wurden übrigens auch Kartoffeln aus Ägypten angeboten ,
    wie mir ein Bekannter erzählte.
    Ich gönne allen ein gutes Geschäft mit ” sauberer ” Ware aber was mich am ehesten wurmt ,
    ist die Tatsache , dass Spargelkartoffel ganz, ganz grossgeschrieben wurde
    auf der Verpackung und Ägypten wurde minimalistisch
    beworben…grins…
    Nix für ungut , demnächst fahr ich zum Bauer mit dem Rad oder ich seh bei der Firma YX etwas genauer hin.
    ( …mit Brille- – bin eh schon 73 jhr. )
    Gruss ,
    Franz-Josef Hay
    53111 Bonn –
    Breitestrasse 41

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