Kurzinfo September 2011

1. Preisentwicklung Gleich zu Beginn der deutschen Frühkartoffelsaison ist der Preis drastisch gefallen, wurden im März teilweise noch 58,00€ ab Station gezahlt, waren es Anfang August 38,00€. Ab der 33.KW war der Preis von 35,00€ bis Ende September mit Aldi vereinbart. Aus unseren eigenen Reihen wurde schon bei 38,00€ gesagt, das müsse die absolute Untergrenze sein. So waren einige Landwirte sehr überrascht, dass seit der letzten Woche ohne Vorwarnung der offizielle Preis noch einmal auf 30,00€ gefallen ist. Aus diesem Anlass haben wir letzten Freitag in einer Telefonkonferenz mit dem erweiterten Vorstand über unsere Position im Verein beraten. In den folgenden Gesprächen mit den Vermarktern gab es drei Kernaussagen:

  • Keiner hat ein Interesse an niedrigen Preisen
  • Nicht wir machen den Preis, das sind die Angebote der Landwirte
  • Die Discounter sehen, dass viel Ware am Markt ist und haben Angst, dass Mitbewerber mit einem niedrigerem Preis ins Rennen geht

Fakt ist, dass tatsächlich einige Betriebe aus unterschiedlichen Gründen unbedingt verkaufen wollen oder müssen und ihre Ware auch unter 30,00€ verkauft haben. So werden etliche Partien immer wieder bei unterschiedlichen Abnehmern angeboten und aus den eigenen Reihen der Angebotsdruck erhöht und damit der Preisverfall beschleunigt. Wie welcher Preis entsteht, ist oft nicht nachvollziehbar. Auf der einen Seite wollen Landwirte Restbestände einfach nur loswerden, egal zu welchem Preis. Auf der anderen Seite wird auch Druck ausgeübt und die Lieferung an Preisnachlässe gekoppelt. Wer hier nicht informiert ist, hat dem auch nichts entgegen zu setzten.

Das ist aber nur die eine Seite. Viele Landwirte haben Absprachen oder Verträge mit Packbetrieben oder Vermarktern, hier müssen wir auch Solidarität einfordern. Die Aussage, keiner hat Interesse an niedrigen Preisen, ist sicher richtig, aber umgekehrt hat nur der Handel und der Landwirt ein konkretes Interesse an höheren Preisen.

Wenn wir uns die Preisentwicklung vom Landwirt bis zum Endverbraucher betrachten, dann haben fast alle eine feste Spanne, nur der Handel kalkuliert prozentual.

  • Gehen wir von einem Erzeugerpreis von 0,30€/kg aus
  • dann bekommt der Vermarkter oder Vermittler in der Regel 0,02€ = 0,32€/kg
  • Der Spediteur hat je nach Entfernung einen Preis von 0,02-0,04€ = 0,36€/kg
  • Der Packbetrieb berechnet ca. 0,20€ für Abpackung und Lieferung zum Kunden = 0,56€/kg.
  • In der Regel kalkuliert der Einzelhandel mit 20% , bei Aktionen auch mit 12-15%, dann läge der Preis im Laden bei 0,67€/kg, bzw. bei Aktionsware mit 15% bei 0,64€.

Zurzeit kosten die Kartoffeln bei Aldi im 2kg in der Aktion 0,69€/kg, auch in der Aktion bei REWE 1,00€/kg.

Mit diesem Hintergrund sehen wir den Preis von 30,00€/dt ab Station für den Landwirt als absolute Untergrenze. Wir können diesen Preis nur als Empfehlung herausgeben und noch einmal alle Kollegen und Kolleginnen auffordern, möglichst viel Ware einzulagern. Damit nehmen wir auch den Druck, dass doch noch ein Packer mit einem „Schnäppchenkauf“ die nächste Preisrunde einläutet.

Es muss wieder Ruhe in den Markt kommen.

In dieser Woche ist die Nachfrage schon deutlich gestiegen und die Anzahl der panischen Anrufe bei den Vermarktern geht zurück. Nach Aussagen unserer Mitglieder und Beratern, wie z.B. Wilfried Dreyer vom Ökoring, wird sich die Erntemenge bei den Lagerkartoffeln in Grenzen halten. Auch die Witterungsbedingungen werden keine Übermengen fördern, Spaltigkeit, grüne Knollen und auch Erwinia werden immer wieder als begrenzender Faktor genannt. Nun liegen auch die ersten Bonituren vor, die deutliche Qualitätsprobleme aufzeigen. Einige Züge sind gleich in die Flockenproduktion gegangen, andere werden auch in die Verarbeitung gehen müssen.

Daher werden wir in den nächsten zwei Wochen einen Erhebungsbogen verschicken, nur mit möglichst genauen Zahlen können wir argumentieren. Wir müssen in jedem Fall gemeinsam verhindern, dass der Preis noch weiter nach unten geht. Noch ist nur ein Teil gerodet, im Frühjahr musste das teure Saatgut gekauft werden, gerade in der Beregnungsperiode war der Diesel auf Hochpreisniveau, da sind schnell Kosten von 3500,00€/ha zusammengekommen. Und das Roden und Lagern hat auch seinen Preis.

Einige Erzeugergemeinschaften und Betriebe haben schon signalisiert, dass bei einem Preis unter 30,00€ nicht mehr geliefert wird. Das kann und muss eine einzelbetriebliche Entscheidung sein. Wir haben aber von Franz Westhues von der Naturland Marktgenossenschaft, Reinhard Meier vom Ökokontor Nord, Jörg Große-Lochtmann von der Naturland Marktgesellschaft, Ralf Settel von Lehmann Natur, Daniel Klücken von Böhmer die Zusage, dass sie den Preis von 30,00€ halten wollen. Unser Ziel muss es sein, nicht nur den Preis zu halten, sondern ihn auch wieder anzuheben.

Liebe Grüße
Monika Tietke für den Bio Kartoffel Erzeuger Verein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>